Zum Inhalt springen

ChatGPT als Verkaufskanal: Anzeigen ja, Kaufen im Chat nein

Redaktion Clieni Media · · 3 Min. Lesezeit

Seit dem 24. August 2026 zeigt ChatGPT auch in Deutschland Werbung, und zwar Nutzern der kostenlosen Version und des Tarifs Go. Unternehmen können die Anzeigen seit dem 31. August selbst im Ads Manager von OpenAI buchen. Einkaufen direkt im Chat startete im September 2025 nur in den USA, und OpenAI hat die Funktion im März 2026 zurückgefahren.

Seit wann gibt es Werbung in ChatGPT in Deutschland?

Seit dem 24. August 2026. OpenAI hatte den Schritt am 18. August angekündigt, er gilt für 31 europäische Länder, darunter Deutschland und Österreich. Anzeigen sehen nur Nutzer der kostenlosen Version und des günstigen Tarifs Go. Plus und Pro bleiben werbefrei, ebenso die Angebote für Unternehmen und Bildungseinrichtungen (Business, Enterprise, Edu).

Die Anzeigen sind gekennzeichnet, etwa mit „Anzeige“ oder „Gesponsert“, und von der Antwort getrennt. Bei sensiblen Themen wie Gesundheit oder Politik zeigt OpenAI nach eigenen Angaben keine Werbung. Wer die kostenlose Version nutzt, kann laut Verbraucherzentrale in den Werbeeinstellungen eine werbefreie Variante wählen, kann dann aber weniger Nachrichten senden.

Wie buchen Unternehmen Anzeigen, und wonach werden sie ausgespielt?

Zum Start in Europa lief die Buchung nur über das Ads-Team von OpenAI sowie Agentur- und Technologiepartner. Seit dem 31. August 2026 ist laut OpenAI der Ads Manager in allen 31 europäischen Märkten für die Selbstbuchung freigeschaltet. Laut onlinemarketing.de startet er als Beta für berechtigte Werbetreibende. Vor der ersten Kampagne stehen Einrichtung und Verifizierung des Kontos sowie die Abrechnung.

Im Europäischen Wirtschaftsraum sind die Anzeigen zum Start nicht personalisiert. Welche Anzeige erscheint, hängt vom aktuellen Gespräch und allgemeinen Angaben wie ungefährem Standort und Sprache ab. Personalisierte Werbung auf Basis früherer Chats sowie Geräte- und Nutzungsdaten will OpenAI in Europa nur mit Einwilligung einführen. Die Berliner Datenschutzbeauftragte hat am 2. Oktober 2026 auf diese Pläne hingewiesen und rät Nutzern, nicht zuzustimmen.

Kann man in ChatGPT direkt einkaufen?

In Deutschland nicht. OpenAI hat Instant Checkout am 29. September 2025 gestartet, nur für Nutzer in den USA und zunächst für Händler auf Etsy in den USA. Shopify-Händler sollten folgen. Grundlage ist das Agentic Commerce Protocol, ein offener Standard, den OpenAI mit dem Zahlungsdienst Stripe entwickelt hat.

Im März 2026 hat OpenAI die Funktion zurückgefahren. Die erste Version habe nicht die gewünschte Flexibilität geboten, sagte ein Sprecher laut TechCrunch. Händler können seitdem ihren eigenen Checkout nutzen, OpenAI konzentriert sich auf die Produktsuche. Auch das Standardformat für Produkt-Feeds, mit denen Händler ihre Artikel an ChatGPT liefern, ist laut OpenAI-Dokumentation derzeit auf die USA ausgerichtet. Weitere Märkte sind nur nach Freigabe durch OpenAI möglich.

Was bedeutet das für Unternehmen in Deutschland?

ChatGPT ist in Deutschland derzeit ein Werbe- und Recherchekanal, aber kein Verkaufsplatz mit eigener Kasse. Konkret heißt das:

  • Anzeigen lassen sich im Ads Manager selbst buchen. Sie erreichen nur Nutzer von Free und Go und werden in Europa bisher nur nach dem Gesprächskontext ausgewählt.
  • Gekauft wird auf der eigenen Website. Einen Weg, Kunden in Deutschland einen Kauf direkt in ChatGPT anzubieten, gibt es derzeit nicht.
  • Damit die eigene Website in den Suchantworten von ChatGPT erscheinen kann, darf der Crawler OAI-SearchBot in der robots.txt nicht gesperrt sein. Seiten, die ihn ausschließen, zeigt ChatGPT laut OpenAI nicht in Suchantworten.
  • Der Crawler GPTBot ist davon getrennt und sammelt Inhalte für das Training von KI-Modellen. Wer das Training ablehnen, aber in der Suche bleiben will, sperrt nur GPTBot.

EinordnungMeinung der Redaktion

OpenAI baut ChatGPT schnell zum Werbekanal aus, beim Einkaufen im Chat ist das Unternehmen dagegen zurückgerudert. Für Unternehmen in Deutschland ist die Lage damit klar: Anzeigen kann man testen, verkauft wird weiter auf der eigenen Website. Wer testet, sollte mit kleinem Budget beginnen und genau messen, denn Erfahrungswerte für den deutschen Markt sind nach zwei Monaten naturgemäß dünn. Ohne Budget beeinflussbar bleibt die organische Sichtbarkeit in den Antworten.

Häufige Fragen

Zeigt ChatGPT in Deutschland Werbung?

Ja, seit dem 24. August 2026, und zwar Nutzern der kostenlosen Version und des Tarifs Go. Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu sind werbefrei.

Können Unternehmen in Deutschland ChatGPT-Anzeigen selbst buchen?

Ja. Laut OpenAI ist der Ads Manager seit dem 31. August 2026 in allen 31 europäischen Märkten für die Selbstbuchung freigeschaltet, zunächst als Beta für berechtigte Werbetreibende mit verifiziertem Konto. Vorher lief die Buchung nur über OpenAI und Partner.

Können Kunden in ChatGPT direkt in meinem Shop kaufen?

Nein. Instant Checkout startete im September 2025 nur in den USA, und OpenAI hat die Funktion im März 2026 zurückgefahren. Der Kauf läuft über die Website des Händlers.

Nutzt ChatGPT frühere Chats für die Auswahl der Werbung?

In Europa bisher nicht. Die Anzeigen richten sich nach dem aktuellen Gespräch und allgemeinen Angaben wie ungefährem Standort und Sprache. Personalisierte Werbung will OpenAI hier nur mit Einwilligung einführen.

Quellen

  1. 01OpenAI (EN): ChatGPT Ads expands across Europe
  2. 02onlinemarketing.de: OpenAI öffnet Self-Serve Ads Manager in Deutschland (31.08.2026)
  3. 03Verbraucherzentrale: Werbung in ChatGPT – worauf Sie jetzt achten sollten
  4. 04Berliner Beauftragte für Datenschutz: Hinweise zur personalisierten Werbung bei ChatGPT
  5. 05Stripe: Instant Checkout in ChatGPT und Agentic Commerce Protocol
  6. 06TechCrunch (EN): OpenAI fährt Instant Checkout zurück
  7. 07OpenAI Developers (EN): Spezifikation für Produkt-Feeds
  8. 08OpenAI Developers (EN): Übersicht der OpenAI-Crawler